
Sehr, sehr brauchbar... - In erster Linie verwendet man Opern-Handbücher ja zu seriösen Zwecken -- es gibt jedoch, außer dem naheliegendsten, noch manch anderen Grund, um auf wenigen Seiten eine nach Akten unterteilte Zusammenfassung der Handlung nachzulesen (z.B. eine Anspielung in einem Buch). Aber beim Durchblättern Operntitel wie z.B. Hilfe, Hilfe! Die Globolinks, Die Witwe des Schmetterlings oder Der Bärenhäuter zu entdecken, ist immerhin ein nettes Vergnügen am Rande...Heinz Wagners Großes Handbuch der Oper befriedigt alle soeben skizzierten Bedürfnisse und noch einige mehr sehr zufriedenstellend: Nach Komponisten geordnet, werden über 700 Opern auf ein bis zwei (selten drei) Seiten vorgestellt, von der Renaissance bis zur Gegenwart. Die Beschreibungen sind ausführlich genug, um sich ein Bild machen zu können, und gleichzeitig knapp genug, um den soeben gewonnenen Überblick auch zu behalten. Am häufigsten wird man sicher die üblichen Verdächtigen nachschlagen, um kurz vorm Opernbesuch oder z.B. beim Anhören einer CD einigermaßen im Bilde zu sein -- aber auch weniger Bekanntes, Unbekanntes und (vermute ich mal) Skurriles wird genauso umfassend berücksichtigt. Bei jeder Oper sind auch Uraufführung, Originaltitel und Librettist angegeben.Neben diesem Hauptteil wartet das Große Handbuch der Oper aber auch noch mit einem extrem nützlichen Anhang auf, mit den folgenden Extras:* Ein Verzeichnis der LIBRETTISTEN und Vorlagen-Lieferanten, mit Einführung, Lebensdaten und jeweils kurzer Erläuterung, außerdem eine Liste jener Komponisten, die ihre Libretti selbst verfassten.* STIMMLAGEN mit Rollenbeispielen -- die Oper kennt schließlich mehr Stimmlagen als Sopran, Alt, Tenor und Bass, die man auch als Laie noch auseinanderhalten kann, auch unter Heldentenor und Koloratursopran kann man sich noch was vorstellen. Aber was sind beispielsweise Charakterbass, Dramatischer Alt, Lyrischer Bariton, Soubrette? Diese und noch mehr Rollenfächer werden nach einer kurzen Einleitung aufgelistet, beginnend mit dem Seriösen Bass. Diese verschiedenen Stimmlagen werden ausschließlich anhand jeweils mehrerer bekannter Rollenbeispiele erläutert. Das klingt unbefriedigend, ist es aber nicht, denn die Beispiele sind gut gewählt und daher möglicherweise sogar anschaulicher als exakte Definitionen -- Fachleute könnten das freilich anders sehen.* VERSCHIEDENE ARTEN von Opern -- jeweils mit kurzer Erklärung werden die verschiedenen Operntypen aufgelistet. Wenn einem nun wieder mal jemand mit Begriffen wie Opera seria, Lyrische Oper und Opéra comique den Kopf schwindlig redet, weiß man, wo man diskret Rat finden kann.* BESETZUNG von OPERN-ORCHESTERN. Hier wird anhand zeittypischer Orchester-Besetzungen die chronologische Entwicklung nachvollzogen, vom Hamburger Opernorchester um 1700 bis zu Orffs Antigonae-Orchester 1949. Dem schließt sich eine anschauliche Skizze der Sitzordnung im Orchester an.* Das FACHWORTVERZEICHNIS enthält, neben dem üblichen Glossar, auch eine kurzgefasste Instrumentenkunde -- auch ohne Letztere wäre das Glossar schon eine Fundgrube vermutlich nicht nur für Laien, aber mit ist das Ganze natürlich unschlagbar...* REGISTER -- Das Register ist unterteilt in ein Register der Komponisten und ihrer (hier jeweils beim Komponisten aufgelisteten) Werke, und ein Werkregister, das die deutschen und Original-Operntitel alphabetisch auflistet.Und zum Schluss noch ein HINWEIS FÜR PREISBEWUSSTE: Das Große Handbuch der Oper ist unter dem Titel Opern- Handbuch auch als Taschenbuch erhältlich.
Ein Muss für den Opernfreund - Sensationell, was Heinz Wagner alles zusammengesammelt hat!Praktisch jede Oper, die in den Klassik-Programmen als Rarität oder als neu entdeckt gespielt oder besprochen wird, ist schon im Opernbuch von Heinz Wagner beschrieben.Ich freue mich immer schon, wenn wieder eine erweiterte Ausgabe erscheint.