
Jahrhundertaufnahme - Ich habe aufgrund der guten Rezensionen diese Zauberflöte erworben - und ich bedanke mich für die Empfehlungen.Ich habe lange gesucht und viele Aufnahmen angehört - bei dieser bleibe ich. Musikalisch ist sie von einer faszinierenden Souveränität und Meisterschaft. Sie vermittelt sowohl das Melodiös-Schwunghafte, als auch das Abgründig-Dunkle. Es ist eine der Aufnahmen, die einen vom ersten Takt in den Bann zieht - wie wenn man an einer Aufführung teilnehmen würde. Die hervorragenden Sängerstimmen und die Wiener Philharmoniker verschmelzen zu einer Einheit. Man spürt, dass SängerInnen und Orchester mit der Zauberflöte zutiefst vertraut sind und alle auch untereinander perfekt harmonieren. (DAS ist ein Unterschied zu den schnell zusammengewürfelten Besetzungen für Plattenaufnahmen - hier hört man das Flair eines gewachsenen Ensembles, das sich blind versteht.)Zur Klangqualität : ich finde sie SEHR schön. Die dunkle Färbung entspricht dem Erleben in der Oper, wenn das Licht langsam verlöscht und der Vorhang sich öffnet. Der Klang ist warm und voll. Mir persönlich ist das VIEL lieber, als digitale Schärfe und übertriebene Präzision.Kurz : hier wird die Zauberflöte nicht gespielt - hier wird sie gelebt !
Zauberhaft - Ob diese Einspielung besonders wienerisch ist, wage ich nicht zu bewerten, da mir die Sachkenntis fehlt, den Charakter einer Interpretation aus den 50er Jahren einzuschätzen. Was ich jedoch bewerten kann, ist die Tatsache, dass es sich um eine schlicht wundervolle Aufnahme handelt. Probleme die durch die damalige Aufnahmetechnik und das Alter der Bänder entstehen, wurden durch das Remastering weitestgehend beseitigt. Mann darf bei einer Einspielung, welche ein halbes Jahrhundert alt ist aus rein technischen Gründen nicht eine solch klare Transparenz erwarten, als seien die Künstler gestern aus einem Hightech Studio gekommen. Vielleicht hat man aber auch endlich die Zeit, sich beim Anhören des Werkes auf die Technik zu konzentrieren, auf die es ankommt: Die künstlerisch musikalisch.Das Karajan auch als ungefähr fünfzigjähriger - eigentlich wie fast immer - auf einem künstlerischem Höhepunkt war, zeigt er hier höchst eindrucksvoll. Unterstützt wird er hierin von dem phantastischen Klangkörper der Wiener Philharmoniker und der Musikfreunde.Das Herr Dermota und Frau Seefried ihre Rollen in ausgezeichneter Manier beherrschen, ist eigentlich keiner Erwähnung wert, weil selbstverständlich. Hervorzuheben ist in diesem besonderen Ensemble jedoch Erich Kunz, mit seinem wunderschönen Papageno. Alles in allem handelt es sich um eine wahrhaft zauberhafte Zauberflöte. Unbedingt hören.
Die Wienerische Zauberflöte mit Kms. Erich Kunz - Das Erscheinen dieser Zauberflöte trifft ungefähr mit der Aufnahme von Karl Böhm zusammen, nur sind die Besetzungen anders - hier singt die herrliche Kms. Irmgard Seefried eine frauliche und gescheite Pamina, Anton Dermota war jahrzehntelang in Wien der Tamino, und Erich Kunz, bei dessen Papageno das Sprichwort gilt: Eulen nach Athen zu tragen - meiner Meinung der beste Papageno bis in die 70er Jahre, Kms. Hermann Prey meinte einmal, man müsse bei dieser Partie in Wien, sich das Publikum erst erkunzen. Wilma Lipp ist auch hier eine wirklich sternflammende Königin, aus der später eine frauliche und lange Jahre innige Pamina wurde, Emmy Loose singt auch hier die Papagena, wie immer gut, denn auch diese Partie wird oft unterbewertet, in gesanglicher Hinsicht - und Sena Jurinac als Erste Dame (bei ihr merkt man nicht, wie schwer diese, oft als klein angesehene Partie wirklich ist), Der Sprecher von George London unheimlich souverän und auch der Sarastro von Ludwig Weber ist gut bei Stimme, nur ein Haken - Gesamtaufnahmen sind sie nicht, weder die von Dr. Böhm als auch die von H.v.Karajan nicht, weil die Dialoge fehlen, bei dem Erscheinen dieser Aufnahme waren 19 Platten angeboten, also noch 78er Geschwindigkeit als LP. Leider singen bei beiden Aufnahmen nicht die Wiener Sängerknaben die 3 Knaben, was bei der Schallplatte gut geht, und auch in Wien - bis heute - gemacht wird. Aber als Ganzes ist dies Zauberflöte nur zu empfehlen, kein Dialog ist besser als ein schlechter Dialog. Also schnell zugreifen
Märchenhafte Zauberflöte - Zunächst eine Warnung: Die Aufnahme stammt von 1950 und der Monoklang ist leider ziemlich dumpf und hallig.Ansonsten hat Karajan hier - ganz gegen den damaligen Trend zur Feierlichkeit - eine wunderbar naive, uneitle, flotte und leichte Zauberflöte dirigiert, bei der man jedem der Sänger den Spaß an der Sache in jeder Minute anhört. Kein Wunder, es handelt sich um das legendäre, absolut eingespielte Mozart-Ensemble der Wiener Staatsoper.Auch individuell brauchen die Sänger kaum einen Vergleich zu scheuen: Insbesondere der Tamino Anton Dermota kann sich mit den allerbesten Konkurrenten (v. a. Wunderlich) mehr als nur messen, glänzt mit einer ganz eigenen, herb-männlichen Stimme und großer Phrasierungskunst. Insbesondere die Sprecher-Szene mit George London wird so zum absoluten Mittelpunkt der Oper.Auch Wilma Lipps Königin der Nacht ist mehr als überzeugend (wenn sie auch in der Live-Aufnahme unter Furtwängler noch kraftvoller singt), weil sie sowohl den technischen als auch den dramatischen Anforderungen der Rolle gewachsen ist.Irmgard Seefried ist eine unglaublich beseelte Pamina (der allerdings die Aufnahme-Technik wenig bekommt), Ludwig Weber ein ernster, würdiger Sarastro mit kleineren (altersbedingten?) Problemen. Die Nebenrollen sind geradezu luxuriös besetzt (die wunderbare Sena Jurinac als erste Dame!).Erich Kunz schließlich ist ein herrlich wienerischer Papageno, dem man allerdings am Anfang - und wenn man es weiß - anhört, dass er noch nicht eingesungen war (Dermota hatte verschlafen, so dass Karajan sofort mit der Aufnahme beginnen ließ!). Am Anfang spricht er mehr, als dass er singt. Trotzdem für mich neben Walter Berry der authentischste Papageno überhaupt. Schade nur, dass man damals, wohl wegen der kurzen Spielzeiten von Platten, auf die Dialoge verzichtete! Was hätte der große Komiker Kunz daraus noch gemacht! Außerdem hätte man bei einer neueren Aufnahme doch einige Szenen noch einmal wiederholen lassen, um kleinere Fehler auszubügeln. Trotzdem:Dies war meine erste Opern-Gesamtaufnahme überhaupt (mit 12 oder 13 Jahren) und ist bis heute eine meiner allerliebsten! Und der Preis tröstet sicher über die technischen Mängel hinweg.