
Zurück zum Singspiel - Östman gelingt es auf dieser, mit historischen Instrumenten gespielten, Aufnahme dem Werk wieder den Charakter eines Singspiels zurück zu geben. Hier klingt Die Zauberflöte tatsächlich nach Wiener Vorstadttheater. Alles weihevolle ist der Oper ausgetrieben. Sie klingt lebending, theatralisch, dabei an den betreffenden Stellen durchaus auch berührend.Letzteres ist auch das Verdienst von Barbara Bonney, die hier eine der besten Leistung ihrer Karriere zeigt.Auch Sumi Jo klingt auf dieser Einspielung dramatisch viel glaubwürdiger als Königin der Nacht als in der Solti-Aufnahme.Kurt Streit, Gilles Cachemaille, Kristinn Sigmundsson - alle singen ihre Rollen engagiert, tonschön und überzeugend.Von den Dialogen hören wir hier deutlich mehr, als auf den meisten anderen (stark gekürzten) Aufnahmen. Und wenn man Die Zauberflöte nicht als große Oper im klassischen Sinne, sondern als Wiener Zauberoper begreift, zeigt sich, daß das Libretto besser ist als sein Ruf.Die historischen Instrumente klingen tiefer, wärmer, geichzeitig aber auch ruppiger und zupackender als man es in der Zauberflöte gewohnt ist. Ein echter Unterschied zu einem modernen Orchester und meiner Ansicht nach unbedingt ein Gewinn.
die schönste Zauberflöte - Östman gelingt mit seinem Drottningholm Court theatre Orchester ein herrlich-leichter, elastischer und wunderschöner Mozartklang. Natürlicher, lebhafter und deshalb Mozart-gemässer hat man bisher kein Orchester Mozarts grosse Zauberoper musizieren hören. Man meint die Freude beim Spielen zu spüren und das bezieht die Gesangssolisten mit ein.Kurt Streit ist ein jungendlich-klarer, klangschöner Tamino. Der schönste Tamino seit Wunderlich. Die drei ihn rettenden Damen angeführt von Ruth Ziesak singen und spielen grandios und überzeugen aufs Vergnüglichste.Gilles Cachemailles Papageno ist charmant und stimmlich wie darstellerisch mehr als gut. Sumi Jo ist die schönste Königin der Nacht überhaupt(vielleicht zu schön?)u. koloraturtechnisch absolut bravorös.Ihr Gegenpart, am anderen Ende der Tonleiter, ist der sonore, schlanke und tiefensichere Kristinn Sigmundsson als Sarastro.Barbara Bonneys Pamina ist nicht nur eine leichte, wunderschöne Sopranstimme, sondern im Gegensatz zu vielen Sängerinnen dieser Partie eine glaubhafte und empfindende Person.Die drei Knaben klingen hier endlich mal wie drei Knaben und nicht wie künstelnde aber überladenen Frauensoprane. Das liegt daran, dass hier tatsächlich drei Tölzer Sängerknaben sehr schön singen.Diese bedeutende Kleinigkeit und als Hörprobe das wunderbar harmonisch gelungene Duett Bei Männern welche Liebe fühlen... geben recht gut den Geist dieser Gesamtaufnahme wieder.Hier ist alles authentisch, lebhaft(einschliesslich der gut geführten Dialoge), ohne romatisierende Breite, mit Leichtigkeit und viel Detailliebe, Einsicht und Verständnis im Sinne Mozarts. Man kann und möchte diese Aufnahme immer und immer wieder hören, ohne das sich Längen od. Schwere einstellen, wie es bei anderen Vorlagen dieser herrlichen Musik bisweilen vorkommt.Rundum die schönste, überzeugendste Zauberflöte. Unbedingt empfehlenswert.
atmosphärisch - Unter den neueren Aufnahmen der Zauberflöte gibt es keine, die dem Werk auf Schallplatte so viel Atmosphäre verleiht. Das liegt in erster Linie an Arnold Oestmans kammermusikalischer Sicht des Orchesterspiels, aber auch an der exzellenten Tontechnik dieser Aufnahme. Im Vergleich zu Oestmans unmittelbaren Konkurrenten, Mackerras, Christie, Norrington und Gardiner, ist es die Wärme des Orchesterklangs, die sofort bei der Ouverture zu spüren ist und die den heroischen Aspekt des Werkes in den Hintergrund drängt. Dies ist durchaus legitim, denn es handelt sich ja eigentlich um ein Singspiel, und Oestman akzeptiert als einer der wenigen diesen Interpretationsansatz.Die Sängerbesetzung ist eher unspektakulär, aber werkgerecht. Barbara Bonney als stilvoll singende und einfühlsame Pamina ist allerdings herausragend. Enttäuscht bin ich einzig von Gilles Cachmailles Papageno, der schon recht abgesungen wird (Zudem wurde die dritte Strophe seiner Auftrittsarie nicht berücksichtigt). Während ein guter Papageno so manch eine schlechte Aufführung oder Aufnahme noch retten kann, so ist das hier ganz und garnicht notwendig, denn das Ensemble ist insgesamt sehr homogen.Obwohl man Furtwänglers Salzburger Aufführungen, Karajans erste Aufnahme, oder gar einen der Livemitschnitte mit Wunderlich (Golden Melodram von 1960 Salzburg und 1964 München) kennen sollte, so ist das alles in allem, die beste Aufnahme seit Solti s erster Wiener Einspielung.
Referenzaufnahme zu günstigem Preis - Arnold Östmans Mozart-Zyklus gehört zum spannendsten, was die Originalklangwelle hervorgebracht hat, und die Zauberflöte ist neben dem spannenden Figaro ein absoluter Höhepunkt der Reihe.Hier fällt zunächst die extrem transparente Orchesterbesetzung auf. Man muss sich an den fast kammermusikalischen Ton und die flotten Tempi erst gewöhnen. Dann jedoch stellt man fest, das schnell in diesem Falle nicht hektisch oder ausdrucksarm, kammermusikalisch nicht undramatisch (wie bei Norrington) heißen muss. Im Gegenteil: Man sieht hier vor dem geistigen Auge geradezu das ausverkaufte Theater an der Wien, in dem Emanuel Schikaneder den Papageno sang und Mozart das Glockenspiel bediente.Herausragend auch die Besetzung: Insbesondere Kurt Streit ist der beste Tamino auf Platte seit Wunderlich, hat nicht nur eine schöne Stimme und gute Technik, sondern kann auch aus der Rolle wirklich etwas machen: Sein Tamino ist sowohl jugendlich als auch heldisch, dabei stilistisch makellos.Großartig auch der Sarastro Sigmundsson: Eine wirklich schwarze Baßstimme, heute eine echte Rarität!Barbara Bonney singt eine sehr süße, nicht zu naive Pamina, wirkt allerdings nicht ganz so souverän wie etwa Gundula Janowitz unter Klemperer. Gilles Cachemaille singt einen sehr guten, komischen und erstaunlich akzentarmen Papageno, wenn ihm auch das typisch wienerische eines Erich Kunz oder Walter Berry naturgemäß fehlt.Sumi Jo ist nicht unbedingt von Haus aus eine dramatische Königin der Nacht (wie etwa Wilma Lipp oder Cheryl Studer), dafür technisch großartig und noch sogar besser, sprich ausdrucksvoller als in ihrer anderen Einspielung unter Solti. Erst in den mörderischen Koloraturenkaskaden der zweiten Arie vermisst man etwas das Drama, bewundert aber die Technik und schiere Stimmschönheit.Hervorragend auch die Nebenrollen: Man könnte aus Priestern und Damen noch eine sehr gute komplette Zweitbesetzung basteln: Ruth Ziesak (1. Dame) war Soltis Pamina, Hakan Hagegard (Sprecher) der wunderbare Papageno im Bergman-Film, Petteri Salomaa unter Östman ein großartiger Figaro, Herbert Lippert (1. Priester) schon Tamino an der Wiener Staatsoper, Lilian Watson (Papagena) unter Harnoncourt die Konstanze. In dieser Beziehung kommt Östman hier also fast an den Luxus der alten Klemperer-Einspielung heran.Man sollte diese Aufnahme auf jeden Fall kaufen - entweder als einzige oder zumindest als Zweitaufnahme.